Ich kann Euch gar nicht sagen, wie lange ich schon die Geschichte von Lilja, dem Schäfchen und dem Elefanten auf Heimaey (Island) mit mir herumtrage…. Endliche habe ich sie zu Papier gebracht, meine Tochter wird die Illustration übernehmen und im Oktober, wenn ich wieder persönlich in Island bin, werde ich mir einen Verlag suchen. Zum Glück habe ich Freunde in Island: Brian Pilkington, der wie ich finde beste Illustrator isländischer Bücher, hat mir schon Kontakte vermittelt (eigentlich hatte ich ja ihn im Blick, meine Geschichte zu illustrieren, aber er möchte jetzt nur noch eigene Werke illustrieren).
Ihr bekommt jetzt einen ersten Einblick in die Geschichte:

Sommerträume eines Schäfchens (Arbeitstitel)

„Ach, wenn ich doch schwimmen könnte!“ seufzt Lilja und schaut sehnsüchtig auf’s Meer. Heute ist ein sonniger Tag, der sonst oft aufgewühlte Atlantik liegt ausgebreitet wie ein Spiegel, aus dem sich die Insel Heimaey erhebt. Eine Herde Orcas jagt gleich am Fuße der Klippe, auf der das kleine Schäfchen steht, hinter Makrelen her und vollführt dabei kunstvolle Manöver.

Lilja ist noch keine zwei Monate alt, im April kam sie hier auf den Nordurklettar zu Welt. Seitdem läuft sie tagein tagaus mit ihrer Mama, ihren vier Tanten, ihren sieben Cousins und Cousinen und ihrem furchtbar nervigen Bruder über das grasbewachsene Plateau. Das ist sowas von langweilig! Sie kennt ja jetzt schon jeden Stein, jeden Grashalm, bevor er weggefuttert wird und bevor er wieder nachwächst und alle Spiele, die man als Schaf so spielen kann. „Lasst uns Verstecken spielen!“ ruft ihre Cousine Hannah begeistert. „Toll,“ denkt Lilja, „hinter jedem Felsen eine Cousine…!“ Auch das Fangenspielen bietet nicht viel Abwechslung. Da sie immer wieder von ihren Müttern ermahnt werden, dem Rand der Klippe nicht zu nahe zu kommen, gleicht das Fangenspielen eher einem Ringelreihen im Kreis…

Und so fragt sich Lilja eines Morgens, als die anderen sie mal wieder als Spielverderberin beschimpfen, weil sie keine Lust hat, sich einen kleinen Basaltbrocken im Kreis gegenseitig zuzukicken, ob das wirklich alles sein kann, was das Leben zu bieten hat. Anstatt mit ihren Verwandten zu grasen, zu spielen und zu ruhen, steht Lilja von nun an immer öfter alleine an ihrem Lieblingsplatz ganz im Westen ihres Felsplateaus. Von dort kann sie alles überblicken: das mal mehr mal weniger geschäftige Treiben der Menschen zum Beispiel auf dieser seltsamen eintönigen Wiese. Sie hofft, eines Tages zu verstehen, was die Menschen da immer in die Mauselöcher kullern lassen. Wenn die Sicht zu schlecht ist, um Orcas und andere Wale zu bewundern, dann spielt sie ihr selbst erfundenes Spiel „Verliere den Vogel nicht aus den Augen“ – je nach Windgeschwindigkeit eine echte Herausforderung!

Heute aber ist wie gesagt ein echter isländischer Sommertag. Lilja folgt gebannt einem jungen Orca mit den Augen und verliert sich in ihrem Tagtraum, in dem sie neben ihm schwimmt und sich von den seichten Wellen wiegen lässt.

„Uiuiui! Ach herrjeh!“ Ihr Tagtraum findet ein jähes Ende, als ein junger Papageitaucher sie, die dort bewegungslos steht, zu spät sieht und mit voller Wucht gegen sie prallt. Er überschlägt sich ein paarmal und bleibt dann verdutzt kurz neben Lilja im Gras liegen. Die war von dem Aufprall ebenfalls auf den Po geplumpst.